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Ratschläge für Angehörige

Einer Ihrer Angehörigen ist an Depressionen erkrankt. Was denn jetzt?

Als erstes und wichtigstes ist es zu wissen, dass Ihr Angehöriger jetzt nicht plötzlich verrückt geworden ist. Sein Zustand ist meilenweit davon entfernt und tendiert nicht einmal in diese Richtung. Auch wenn manche seiner Reaktionen in der letzten Zeit dies vermuten lassen. Ihr Angehöriger fühlt sich extrem schlecht. Deshalb seine mit Sicherheit oft überzogenen Reaktionen aus der jüngsten Vergangenheit.

Stellen Sie sich die Krankheit mal an folgendem Bild vor.

Der Kranke hat eine Seele und die ist krank geworden. Sie ist mit schweren Lasten behängt und muss obendrein noch einen Sack mit schweren Steinen schleppen. DFamilieiese Steine sind scharfkantig und drücken der Seele den Rücken blau und wund. Die Seele taumelt ständig unter dieser enormen Last und kann sich nicht davon befreien. Obendrein muss die Seele auch noch eine sehr dunkle Brille tragen. Durch diese dringt fast kein Licht, aber negative Einflüsse im Leben des Kranken werden extrem scharf beleuchtet und bleiben auch dann noch sichtbar, wenn diese längst verschwunden sind. Zusätzlich leidet die Seele noch unter ständigen Schmerzen. Keine Schmerzen im eigentlichen Sinn, sondern Seelenschmerzen. Obendrein lebt im Bauch der Seele noch ein kleiner aber sehr böser Troll. Dieser verursacht extrem schlechte Gefühle und zusätzliche Schmerzen. Obendrein sorgt dieser Troll dafür, dass die Seele von extrem schlechten Gedanken geplagt wird, die diese nie zu Ende denken kann. Oft monatelang!!!

Wenn es Ihnen gelungen ist, diesen Zustand emotional nach zu erleben, dann haben Sie ein winzig kleines Stück der Seele, des an Depressionen erkrankten, gesehen. Wenn man sich so schlecht fühlt, reagiert man auch mal anders, als Sie dies von früher von Ihrem Angehörigem gewohnt waren. Sie kennen das von sich selbst. Nach einem wirklich schlechtem Tag, an dem Sie noch den ganzen Tag von Kopfschmerzen gepeinigt wurden, ist man am Abend einfach schlecht drauf und nicht himmelhochjauchzend glücklich. Man benimmt sich anders und ist auch nicht immer gerade sehr freundlich.

Das besonders gemeine an der Sache ist, dass man dem Kranken äußerlich nichts ansieht. In ihm ist die Hölle entfesselt, aber er sieht aus wie immer. Dies ist für Aussenstehende nur sehr schwer nachzuvollziehen und es gibt viele Ehen und Beziehungen, die daran zerbrechen.

Was können Sie jetzt für Ihren Angehörigen tun?

– Seien Sie unbedingt für Ihren Angehörigen da!!! Depressive haben ein großes Bedürfnis nach Nähe, können diese aber manchmal nicht ertragen. Dies ist nicht immer ganz leicht, aber in jedem Fall lösbar.

– Nehmen Sie das Leiden Ihres Angehörigen unbedingt ernst und tun Sie es nicht einfach als nur psychisch ab. Gerade die psychischen Leiden sind mit die grausamsten.

– Kommen Sie Ihrem Angehörigen nie mir Vorschlägen wie: „Nun aber wieder Kopf hoch…“. Das ist genau so, als wenn Sie jemanden mit einem gebrochenen Bein sagen, er solle nicht so humpeln. Liebevolle und ernst gemeinte Aufmunterungen kommen aber immer sehr gut an.

– Denken Sie nicht, Ihr Partner oder Angehöriger meint Sie, wenn er mal wieder ganz falsch und überzogen reagiert. Es ist auch nicht Ihr Partner, der da spricht, sondern die Depression. Wenn Sie das verstanden haben, wird Ihnen der Umgang mit dem Kranken schon wesentlich leichter fallen.

– Nehmen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen auf und suchen Sie die Hilfe von anderen Betroffenen und deren Angehörigen. Diese können Ihnen wertvolle Hilfestellungen und Tipps geben.

– Und der wichtigste Rat ist: „Geben Sie nicht auf!!!“ Depressionen sind fast immer heilbar, oder zumindest so weit linderbar, dass der Kranke wieder in sein gewohntes Leben zurückkehren kann.

Falls Ihr Angehöriger sich mal wieder scheinbar unerträglich verhält, denken Sie einfach an das Bild von der geschundenen Seele. Da kann fast nicht mehr böse sein. Nehmen Sie den oder die Kranke einfach in den Arm und trösten Sie. Ihr Angehöriger ist wie ein Kind, das sich beim Spielen die Knie aufgeschlagen hat und nun nach der Mama ruft. Da können Sie eigentlich nicht mehr böse sein.

Geben Sie Ihrem Angehörigem das, was er jetzt am meisten braucht. Liebe, Anteilnahme und Ihr Verständnis.

 

Veröffentlicht: 15. Januar 2013 | Kommentare: 0