Medikamentöse Behandlung – Allgemein

In breiten Teilen der Bevölkerung herrscht großer Respekt vor der Einnahme von Psychopharmaka. Vielfach liegt die Ursache in mangelnder Aufklärung.

Moderne Medikamente sind wesentlich besser als ihr Ruf.

Bei Leuten, die Psychopharmaka schlucken, denkt man in der Regel an Leute, die nicht mehr alle Sinne beieinander haben, denen der Speichel aus dem Mund tropft, während sie sich zombieartig durch die dunklen Gänge einer Irrenanstalt bewegen.

Diese Vorstellung ist so grundfalsch, wie der Tag sich von der Nacht unterscheidet.

MedikamenteVielleicht gab es vor 50 oder 60 Jahren noch Psychiatrien, in denen solche Medikamente gegeben wurden. Als bestes Beispiel fällt mir da Haldol ein.

Moderne Psychopharmaka sind da eher wie feine chirurgische Instrumente zu sehen, während Haldol eher der großen Keule ähnelt. Obwohl Haldol bei bestimmten psychischen Erkrankungen gute Ergebnisse erzielt.

Die Nebenwirkungen moderner Antidepressiva sind meistens so gering, dass man sie nicht verspürt oder sind in manchen Fällen sogar gewünscht.

Ich will Ihnen kurz schildern, wie es mir erging, als der Arzt das erste Mal Antidepressiva auf das Rezept schrieb und ich am Abend mit der Tablettenpackung allein in meinem Wohnzimmer saß.

Ich hatte viele Jahre viel zu viel gearbeitet. Täglich mindestens 12 Stunden, selten ein freies Wochenende. Nie Urlaub.

Es ging mir schleichend immer schlechter. Bis ich eines morgens vor dem Badezimmerspiegel stand und keine Kraft mehr hatte, mir die Zähne zu putzen. Ich weiß, es klingt ziemlich weit hergeholt, doch genau so war es.

Ich war abgemagert bis auf die Knochen, nur noch 67 Kg bei 190 cm Größe. Ich hatte seit vielen Monaten nicht durch geschlafen.

Dies war der Punkt, als ich zum ersten Mal zum Arzt ging.

Die Ärztin verschrieb mir ein Antidepressivum. Ich hatte einen riesigen Respekt vor diesem Mittel doch mein Leidensdruck war so groß, dass ich es nahm. Die einzigen Nebenwirkungen, die ich verspüren konnte, waren sogar von mir gewünscht.

Ich nahm endlich wieder zu und da das Mittel schlaffördernd war und ich es am Abend einnahm, konnte ich seit langer Zeit mal wieder richtig schlafen. So ähnlich verhält es sich mit den meisten dieser Medikamente.

Wichtig zu wissen ist, dass man nicht ermitteln kann, welches Medikament eingesetzt werden muss.  Also ob es für die aussendende, die empfangende Stelle bzw. auf die Menge der Neurotransmitter wirken soll. Dies muss man ausprobieren.

Da die meisten dieser Medikamente eine ziemlich lange Anlaufzeit haben bis sie wirken, kann es zu einer wirklichen Geduldsprobe werden, bis das passende Medikament gefunden ist. Doch der Weg lohnt sich. Ich möchte Sie wirklich ermutigen, nicht gleich nach dem ersten Medikament, das nicht wirkt aufzugeben. Gehen Sie diesen Weg, es ist ein Weg in ein gesundes und lebenswertes Leben.

 

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